Was man gegen Unwohlsein tun kann

Einfach mal vor die Tür gehen und tief durchatmen. Wenn man sich bei einem Konzert unwohl fühlt, weil einige Musiker dieser Band Rastalocken oder exotische Kleidung tragen oder fremdländisch klingende Sounds spielen … Wenn man sich als Konzertbesucher davon gestört fühlt, warum verpisst man sich nicht einfach, warum verlässt man dann nicht einfach diese als anstößig empfundene Darbietung? Schon komisch, man kann doch jederzeit weg, wenn einem der Anblick der Musiker oder die Musik nicht gefällt.
Und warum bricht der Veranstalter dann ab, obwohl die Stimmung super ist und offensichtlich niemand sonst ein Problem hat. Nur weil ein, zwei oder drei Leuten, einer Minderheit also, das nicht gefällt?
Weil es rückgratlose Mollusken sind? Oder weil es hier nicht um Befindlichkeiten geht? Sondern um was? Mal nachdenken … „kulturelle Aneigung“ – aha. Hieß es nicht immer, wir sind so offen und tolerant, daher kann man alles sein, was man will? Gibt es denn einen besseren Beweis für kulturelle Offenheit, wenn man fremde ethnokulturelle Elemente übernimmt, adaptiert, annimmt und integriert – so als Gegensatz zur „Deutschtümelei“? Nein, falsch. Dem Deutschen steht es nur zu, Schlager oder Marschmusik zu hören oder vielleicht elektronisch zu musizieren – in Lederhose und mit streng militärischem Kurzhaarschnitt. Damit man immer weiß, mit wem man es zu tun hat.

In der DDR erhielt übrigens mal eine Rockband Auftrittsverbot, weil der Sänger sich weigerte, sich seine lange Mähne kürzen zu lassen. Der Aufnahmeleiter einer Jugendsendung hatte ihn aufgefordert, sich die Haare schneiden zu lassen. Lange Haare waren ja verpönt und nicht gern gesehen, wegen der Verderbtheit der vermuteten westlichen Einflüsse auf die Jugend. Bis zu einem gewissen Grade wurde es toleriert, aber in einem solchen Fall – offene Verweigerung eines Kniefalls – hatte man ausgespielt.
Da sich der Sänger dem befohlenen Haircut widersetzte, wurde die Band vom Aufnahmeleiter gecancelt und nach Hause geschickt. Ein Jahr später stellten sie einen Ausreiseantrag. War damals eine meiner Lieblingsbands, lange gab es sie ja deswegen leider nicht …